Tante und Touristin in Malawi

Normale Straßenszenen. Durch die Windschutzscheibe des Autos.

Jetzt ist es schon ein paar Monate her, dass ich Euch in Malawi besucht habe. Was mir geblieben ist? Vorgestern habe ich mich ziemlich aufgeregt über einen Film Thema Mountainbiken in Malawi. Zwei Deutsche zeigen die supertollen geilen Mountainbiketrails in der Mulanjeregion. Das Runterbrettern auf ausgewaschenen Wege ohne Vegetation. In Deutschland würde die Naturschutzbehörde am Rad drehen. Hier ist alles erlaubt. Außerdem ist alles so hübsch und malerisch. Total viel Spaß mit den Schwarzen in den Dörfern. Die Westler und die Dorfbewohner machen Wettlauf mit Lasten auf dem Kopf. Superlustig hier. Über die Perspektivlosigkeit der Bewohner, ihren Lebensstandard, die Zwänge in denen sie stecken und 50.000 mögliche weitere Eindrücke berichten sie nicht. Hat mir richtig weh getan. (Kommentar 24.10.: inzwischen weiß ich, dass der Film wohl besser ist. Es war ein Zusammenschnitt, in dem alle kritischen Passagen entfernt worden waren. Die Autoren waren entsetzt.)

Sonst denke ich an Euch wie Ihr Euer Leben ein bisschen wie in Hamburg organisiert, an Euer Improvisationstalent und Anpassungsvermögen. Alles ist möglich: Ballettunterricht, Reiten, wunderbares Essen, homemade Cocktails mit malawischem Gin, Lehrer und Familien kennenlernen, Tennisunterricht, Stadtführungen und ewiges Harry Potter hören.

Ihr seid supernett und gastfreundlich wie immer. Eigentlich ist alles wie in der Flebbestraße.  Aber doch irgendwie anders. Ihr sperrt Euch nachts ein mit dickem Schloss und Eisentür, Lotte und Clara erklären mir, wie es ist, wenn Leute arm sind, ihr beiden, Catrin und Heinrich, erzählt mir von Eurer Zerrissenheit zwischen Helfen, Ausgenutzt werden und dem Zwang, sich in den vorhandenen Strukturen zu bewegen.

Lucy, Tom, unser Tennislehrer und Eure Gärtner. Einer ist netter als der andere, jedenfalls zu mir und was ich mitkriege. Sie lächeln, sind verbindlich, reden mit mir, scheinen genau wie ich zu sein. Trotzdem leben sie völlig anders. Ihre Familien leben von noch nicht mal 50 Euro im Monat, sie kümmern sich nicht nur um sich und ihre Kinder, sondern um ein ganzes Dorf.  Ihr Gehalt brauchen sie, um wenigstens das Allernötigste zu bewältigen: Saatgut, um in ein paar Monaten nicht Hunger zu leiden, Geld für die Erziehung der Kinder. Schicker Elektronikschrott,  Klamotten, das waren nicht die Themen..

Das Land ist wunderschön. Grün im März und April, warm und nicht zu heiß, der Malawisee, die Hügel und Wälder im Norden, die Colonial Houses und britische Tradition wie man sie nur mögen kann: Englische Cottages, Scones, Tea time, weite Rasenflächen und Parks.

Dieses Nebeneinander kann ich bis heute nur schwer einsortieren. So vieles ist bedrückend, alles anders, Auswege scheint es kaum zu geben. Hier leben Menschen wie Du und ich und ihre Armut kann ich nur hinnehmen.